
Die meisten von uns, vor allem die Frauen, besitzen mehr Kleider, als man eigentlich braucht. Die Schränke sind zum Bersten voll und dennoch kauft man (Frau) gerne noch mehr Kleidungsstücke ein. Auch wir gehen gerne auf Einkaufstour.
Nun haben wir uns überlegt, dass man meist gar nicht so genau weiss, woher die Kleidungsstücke kommen, wo zum Beispiel der Stoff hergestellt wird. Auch weiss man nicht von wem. Uns beunruhigt der Gedanke, dass Kinderarbeit dahinter stecken könnte.
Durch Kleidungsstücke entsteht auch viel Abfall. Wir kaufen gerne günstige Produkte, an die wir dann auch nicht allzugrosse Ansprüche im Hinblick auf die „Haltbarkeit“ stellen. Allerdings entsteht gerade durch Billigprodukte viel Abfall. Eine Methode, um diese Abfallberge zu vermindern besteht in den Kleidersammlungen, bei denen man noch brauchbare Kleidungsstücke abgeben kann, die dann bedürftigen Leuten gegeben oder weiterverarbeitet werden.
Auch die Frage nach Markenkleidern stellt sich uns. Ist man bereit, viel Geld auszugeben, damit ein bestimmter Namenszug auf dem Kleidungsstück steht? Wie gehen wir damit um, dass gerade grosse Marken ihre Produkte in Billigländern von unterbezahlten Menschen fertigen lassen oder sogar Kinder in die Arbeit involviert sind?
Bedürfnisse
Menschliche Bedürfnisse in Bezug auf Kleidung sind:
· sich modisch kleiden
· bequeme Kleidung tragen
· neue Kleidung tragen
· schöne Kleidung tragen
· eine abwechslungsreiche Garderobe besitzen
· passende Kleidung zu verschiedenen Anlässen besitzen
· sich in den Kleidern wohl zu fühlen
· sich je nach Anlass verschieden zu kleiden
· seinen eigenen Kleiderstil finden
· im Winter genügend warme Kleidung zu besitzen und somit nicht frieren zu müssen
· passende Schuhe und Accessoires zu besitzen
· im Sommer leichtere Kleidung tragen zu können
· hautverträgliche Kleidung tragen zu können
· atmungsaktive Kleidung tragen zu können
· gute Qualität
· nicht abfärbende Kleidungsstücke zu besitzen
· je nach Kultur verschiedenen Kleidungsstücke zu bevorzugen
· die Haut vor Sonneneinstrahlung zu schützen
· keine juckende, allergieauslösenden Kleidungsstücke zu tragen
· tragen, was einem gefällt
· selbst über die eigene Garderobe bestimmen zu können
Handlungsbedingungen
Persönliche finanzielle Verhältnisse erlauben, dass Eltern schon ihren kleinen Kindern Markenkleider kaufen, aber auch Wert auf die eigene „Marken-Garderobe“ legen. Meist ist unbekannt, wo die Kleider gemacht werden bzw. wie viele Hände sie durchlaufen und wer dabei wirklich verdient. Neben dem Kauf von Markenkleidern erlaubt die finanzielle Lage vielen Personen, sich immer wieder die neusten Hits zu kaufen und dabei die Garderobe auf- bzw. überzufüllen. Dies hat unter anderem auch den Grund, dass sich die Mode immer wieder verändert und die Gesellschaft sich dadurch „gezwungen“ fühlt mitzugehen. Die Modeindustrie nutzt diese Gelegenheit und heizt den Prozess noch mehr an.
Für jegliche Bedürfnisse gibt es Kleidergeschäfte, ob Boutiquen mit edleren Kleidern oder Geschäfte mit Alltagskleidern; wir haben eine grosse Auswahl. Dazu kommt, dass in der Schweiz das öffentliche Verkehrsnetz sehr gut ausgebaut ist und man schnell in der nächsten Stadt ist um shoppen zu gehen. Zudem ist das Shoppen in unserer Zeit eine oft genutzte Freizeitbeschäftigung und dient zur Abwechslung zum Alltag. Gerade Teenager haben öfters Zeit shoppen zu gehen, wobei es in diesem Alter dann eher an Geld mangelt. Personen, die mehr Wert auf Quantität als Qualität legen, finden in den Einkaufszentren immer wieder Schnäppchen – Billigprodukte, die meist mit „made in Taiwan, China,…“ beschriftet sind, wobei auch hier nicht klar ist, welche Arbeitsbedingungen dahinter stecken.
Neben der grossen Vielfalt an Kleidergeschäften gibt es auch eine grosse Auswahl an Stoffen: Baumwolle, Polyester,… – natürliche und synthetische Stoffe. Wie die Stoffe hergestellt werden oder welche Produktion der Natur weniger schadet, weiss kaum jemand. Das Aussehen, der Schnitt, wie bequem etwas ist,… sind entscheidend.
Fachliche Aufarbeitung
· Kleidung und Mode (1997): von der Toga bis zur Mode der Punks;
Gerstenberg Verlag, Hildensheim
· Knigtht, Margaret (1999): Mode im Wandel -
Von der Toga bis zum Hippie-Look, Arsediton, München
· Mode (Kleidung) Jugendlicher in der 60er Jahren
http://projects.brg-schoren.ac.at/1968/mode.htm
· Modelexikon
http://www.modelexikon.de/
· Herstellung von Stoffen
http://www.gymnasium-meschede.de/projekte/
romantik/mode_und_technik.htm#Herstellung
Herstellung, Vertriebskanäle, Arbeitsbedingungen
· Was die Kleider verbessert, schadet dem Menschen
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/
nano/bstuecke/78091/index.html
· Wie Mode entsteht
http://www.kindernetz.de/infonetz/thema/mode/
entwerfen/-/id=22390/pic=1/nid=22390/
did=23360/h3mvtf/index.html
· Reise einer Jeans
http://www.umweltkindertag.de/download/
aktionsmappe_2003_72dpi.pdf
· Pietra Rivoli (2006): Reisebericht eines T-Shirts -
Ein Alltagsprodukt erklärt die Weltwirtschaft, Econ oder Ullstein Taschenbuchverlag
· Weg einer Jeans
http://www.e-globalisierung.org/kapitel1/2/
?page=2
· Der Weg einer Jeans
http://www.klett.de/sixcms/media.php/8/
27835_020.pdf
· http://www.cleanclothes.org/
Entsorgung
· Was geschieht mit ihrem Kleidersack
http://www.texaid.ch/304.0.html
· http://www.kleidersammlung.ch/
Stoffe, Materialien, Rohstoffe
· Vom Baumwollanbau zum Stoff
http://www.medizinfo.de/hautundhaar/
kleidung/rohstoff.htm
· http://de.wikipedia.org/wiki/Baumwolle
· Informationen über Baumwolle
http://www.baumwolle.at/
· Infos über Baumwolle (inkl. Video):
http://www.cottonusa.de/baumwolle.html
· Wenn es keine Baumwolle gäbe (und weitere Infos und Links)
http://psau.educanet2.ch/b.goellnitz/.ws_gen/
· Infos zu Seide, Wolle, Baumwolle:
http://www.wiehn.de/nd-proj/bwolle.htm
· http://de.wikipedia.org/wiki/Faser
· Textilfasern: www.zug.ch/ms2/pict/faq/wdoc_250_325_3.doc
Umsetzungskonzept: Warum tragen die Menschen Kleider?
Hast du dir schon einmal überlegt, warum die Menschen fast überall auf der Welt Kleider tragen? Es gibt Gegenden, wo man seinen Körper nur wenig mit Kleidern umhüllt. Anderswo hüllt man den Körper ganz ein, sodass möglichst wenig Haut zu sehen ist.
· Was gibt es für Gründe, Kleider anzuziehen?
· Warum tragen Menschen in anderen Ländern häufig auch andere Kleidung?
Überlege dir möglichst viele verschiedene Begründungen und mache dir Notizen dazu.
Anschliessend gemeinsames Besprechen in der Klasse.
Wir schauen uns gemeinsam Kleidungsstücke aus verschiedenen Ländern an und sammeln Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Nun folgen zwei Versuche, welche die Kinder jeweils zu zweit durchführen können.
Versuch 1:
Fülle zwei gleiche Flaschen mit einer warmen Flüssigkeit.
- Wickle die eine Flasche in einen warmen Pullover ein.
- Die andere Flasche stellst du „unbekleidet“ daneben.
- Lasse die beiden Flaschen eine halbe Stunde lang so stehen.
- Überlege dir in der Zwischenzeit, wie sich die Temperatur der Flaschen nach dieser Zeit unterscheidet.
- Schreibe auf, was du erwartest.
- Schreibe auch eine Begründung für deine Vermutung auf.
- Kontrolliere, ob deine Vermutung richtig war.
- Nun kannst du die Erklärung für diesen Versuch lesen.
Erklärung:
Im Pullover ist zwischen den Maschen und den Fasern viel Luft eingeschlossen. Sie hält die Wärme der Flüssigkeit zurück. Wenn du also einen Pullover anziehst, hast du das Gefühl, in einem warmen Raum zu sein.
Die Kleidungsstücke schaffen um uns herum ein „Miniklima“ (eine Lufthülle) mit warmer Luft, in dem wir uns wohl fühlen.
Versuch 2:
Fülle zwei gleiche Falschen mit einer warmen Flüssigkeit.
- Wickle die eine Flasche in ein feuchtes Kleidungsstück oder ein nasses Handtuch ein.
- Die andere Flasche stellst du „unbekleidet“ daneben.
- Stelle beide Flaschen an einen möglichst zugigen Ort.
- Lasse die beiden Flaschen eine halbe Stunde lang so stehen.
- Überlege dir in der Zwischenzeit, wie sich die Temperatur der Flaschen nach dieser Zeit unterscheidet.
- Schreibe auf, was du erwartest.
- Schreibe auch eine Begründung für deine Vermutung auf.
- Kontrolliere, ob deine Vermutung richtig war.
- Nun kannst du die Erklärung für diesen Versuch lesen.
Erklärung:
Wasser lässt die Fasern zusammenkleben. Für Luft bleibt kein Platz. Ausserdem verdunstet Wasser und dazu braucht es Wärme, die aus der warmen Flüssigkeit gezogen wird.
Unser Körper nutzt diese Wasserkühlung: Wird uns zu warm, schwitzen wir. Eine kühlende Wirkung hat das Schwitzen jedoch nur, wenn der Schweiss auch verdunsten kann. Kleidung sollte deswegen nicht nur Luft speichern, sondern auch Feuchtigkeit hindurchlassen. Sonst kleben die Kleider am Körper.
Umsetzungskonzept: Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie:
Lies die folgende Geschichte durch. Tauscht euch anschliessend in Dreiergruppen aus. Folgende Punkte können euch helfen, eine Diskussion über den Text zu führen:
- Was geht euch durch den Kopf?
- Was beschäftigt euch?
- Was sind Unterschiede zu der Schweiz?
- Wie geht es Maria?
- Wie würded ihr euch fühlen an Marias Stelle?
- ...
Seit zwei Jahren arbeitet die 17-jährige Maria in einer Kleiderfabrik in Guatemala-Stadt. Guatemala ist ein Land in Südamerika. In dieser Fabrik sind überwiegend junge Mädchen beschäftigt. Die Jüngsten sind knapp 12 oder 13 Jahre alt.
Für Maria beginnt die Arbeit in der Fabrik um 7 Uhr morgens. Sie muss pünktlich zur Arbeit kommen, sonst kann es sein, dass sie den ganzen Tag ohne Bezahlung arbeiten muss.
Maria näht Einzelteile von Hemden zusammen. Diese Stoffteile werden in einer anderen Fabrik zugeschnitten. Immer wieder werden die Mädchen durch die Aufseher zu schnellerer Arbeit angetrieben.
Marias Arbeitsplatz befindet sich in einer grossen Fabrikhalle. Dutzende anderer junger Näherinnen führen in dieser Halle die gleiche Arbeit aus wie sie. Sie würde gerne zwischendurch ein paar Worte mit ihrer Freundin Clara wechseln. Aber das ist nicht erlaubt.
In der Fabrikhalle ist es stickig. Die Luft ist so schlecht, weil die Räume so schlecht belüftet sind. Auch die Toiletten sind in einem sehr schlechten Zustand. Toilettenpausen sind zwar erlaubt, aber wer zu häufig aufs Klo geht, riskiert seinen Arbeitsplatz.
Als Maria sich einmal schlecht fühlte und kurz an die frische Luft wollte, wurde es ihr verboten. Um ihren Arbeitsplatz nicht zu verlieren, ging sie in den folgenden Tagen krank zur Arbeit.
Um 18 Uhr ist Feierabend für die Näherinnen. Häufig müssen die Mädchen jedoch Überstunden machen. Überstunden werden in der Regel nicht bezahlt. Besonders dann, wenn ein eiliger Auftrag erfüllt werden muss, werden Überstunden verlangt. Die Näherinnen sitzen dann bis spätabends noch in der Fabrik.
Maria denkt darüber nach, zu kündigen. Als ungelernte Arbeiterin hat sie aber wenig Chancen, eine andere, bessere Arbeit zu bekommen.
Überprüfung des Umsetzungskonzeptes
Fokus Kind:
· Alle Kinder brauchen Kleider. Mode ist ihnen wichtig und diese verändert sich auch. (Lebensnähe, Gegenwarts- und Zukunftsbezug)
· Die Geschichte handelt von einem Kind. Somit können sich die Schüler und Schülerinnen mit der Hauptfigur identifizieren (Kindsgemässheit)
Fokus Sache:
· Versuche sind sachgemäss.
· Faire Arbeitsbedingungen fördern Wert- und Sinnorientierung.
· Die Mode und die Arbeitsverhältnisse anderer Länder werden mit den Verhältnissen in der Schweiz verglichen. (Multiperspektivität und Vernetzung)
Fokus Lernen:
· Die Kinder lernen handelnd anhand der Versuche. (Handlungsorientierung, Problemlösung)
· Die ausgewählten Versuche sind exeplarisch für die Funktion der Kleider. Die Ergebnisse sind eindrucksvoll. (Exeplarizität, Originale Begegnung, Prozess- und Ergebnisorientierung)

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